Bölle-Umbau – unsere Erwartungen

Leitlinie: Image und Identität des Stadions am Böllenfalltor

Ein Stadion ist einer der größten Einflussfaktoren für das Image eines Vereins in der Öffentlichkeit. Ein Stadion muss zu seinem Verein passen. Die Identität des Vereins muss maßgebend für den Stadionentwurf sein.

Der SV Darmstadt 98 ist ein besonderer Verein, der sich von vielen anderen Fußballclubs abhebt. Der SV98 ist einer der traditionsreichsten und ältesten Fußballvereine Deutschlands.

Immer wieder fiel der SV Darmstadt 98 in der Vergangenheit durch die besonderen Wege, die er ging, auf. Von den Feierabendprofis bis hin zu der bundesweit einmaligen Rettungsaktion zur Insolvenzzeit: Die Lilien und ihr Umfeld waren immer schon anders, kreativer und überraschend. Nicht alleine aus diesem Grund fordern wir insgesamt 18.980 blau-weiß farbige Sitz- und Stehplätze im neuen Stadion.

Die Lilien und ihre Fans haben viele schwere Zeiten durchgemacht. Der Heiner ist und war stets ein brummiger Geselle mit Ecken und Kanten. Trotz vieler Jahre der Erfolglosigkeit kam der Heiner stets ins Stadion am Böllenfalltor, und sei es nur um jede Woche zu verkünden, dass er nie wieder käme.

Der SV Darmstadt 98 steht also für – sympathisch anmutende – Ecken und Kanten, er steht dafür zu überraschen und andere Wege zu gehen als alle anderen.

Diese Werte stecken schon heute in unserem Stadion am Böllenfalltor: Es hat Ecken und Kanten, mittlerweile genügend, um ein solches Papier zu verfassen. Aber es ist einzigartig. Besucher aus fremden Städten und Ländern loben immer wieder unser Stadion, das sich so erfrischend von der sonstigen Stadionlandschaft abhebt. Wir haben (nach Borussia Dortmund) den zweitgrößten zusammenhängenden Stehplatzbereich des Landes – das prägt die Stimmung und die Fankultur am Bölle.

Betritt man das Stadion am Böllenfalltor kann man die Geschichte des Vereins förmlich riechen. Man braucht nicht allzu viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie hier in den späten Siebzigern Männer mit viel zu kurzen Hosen über einen Bundesligarasen gewetzt sind.

Genau diese Werte – Ecken und Kanten, Überraschendes, Einzigartigkeit und ein Hauch Geschichte – erwarten wir auch von einem neuen Stadion am Böllenfalltor, damit wir es mit gutem Gewissen und stolz erhobenen Haupt “unser Stadion” nennen können.

Was man tun sollte, um das zu erreichen, wird dieses Papier später offenbaren. Daher möchten wir – auch wenn es zunächst destruktiv klingen mag – loswerden, was unter diesen Prämissen nicht zu einem Stadion der Lilien – unserem Stadion – passen kann:

Unser Stadion kann kein Stadion sein, das aus einem Rang besteht, sich an allen Seiten geschlossen um das Spielfeld schmiegt, ein Dach aufgesetzt bekommt und sich damit allenfalls durch ein Vereinslogo an der Außenwand von genau diesen Einheitsgebilden in Aachen, Dresden, Augsburg, Sinsheim, Duisburg und co. unterscheidet.

Unser Stadion kann nicht aus runden Formen und geschwungenen Dachkonstruktionen bestehen. Es braucht – wie gesagt – seine Ecken und Kanten. Das Stadion der Lilien muss ein wenig grimmig wirken. Es muss keine Schönheit sein, dafür aber einen Charakter haben.

Unser Stadion muss erkennen lassen, dass dieser Verein nicht erst existiert, seitdem das neue Stadion existiert. Es muss deutlich zeigen, dass darin ein Verein spielt, der stolz auf seine nicht immer leichte Geschichte ist und stolz auf das zurück blickt, was er aus eigener Kraft geschaffen hat.

Dies sind für uns feststehende Prämissen und auf dieser Basis wollen wir aufzeigen, mit welchen konkreten Maßnahmen wir vorschlagen, sie umzusetzen. Dabei gibt die Reihenfolge der Vorschläge nicht deren Gewichtung wieder.

Bei allen Vorschlägen gilt, dass wir gerne planerisches, technisches und handwerkliches Know-how sowie Arbeitskraft aus Fankreisen unentgeltlich zur Verfügung stellen, vorbehaltlich der zur prüfenden versicherungsrechtlichen Lage (Vorbild Union Berlin).

Dieser Idee haben die Stadtverordneten beim Grundsatzbeschluss in der Magistratsvorlage 2013-0144 durch einen Ergänzungsantrag zugestimmt. Wörtlich heißt es dort: “Möglichkeiten der finanziellen Beteiligung und der Beteiligung in nicht monetärer Form interessierter Fans und Bürger sind zu prüfen und darzulegen”.

Das alles soll “bezahlbar” sein bzw. bleiben und dieser Begriff hat für uns mehr als nur eine Bedeutung: Zum einen soll der Umbau selbst bezahlbar sein – für die Stadt Darmstadt, die hier ja öffentliche Gelder verbaut.

Zum anderen soll es auch bezahlbar sein für den Verein, der eine Miete oder Nutzungsgebühr zahlen soll, die er auch dann verkraften kann, wenn es mal weniger gut läuft.

Vor allem aber soll auch künftig der Stadionbesuch für die Fans bezahlbar sein und dafür muss es eine ausreichende Anzahl preiswerte Tickets, d.h. Stehplätze geben.  Sitzplätze bringen höhere Einnahmen, das ist uns klar, dennoch würde es uns gefallen, etwa 1 Drittel der (18.000) Plätze mit Sitzschalen (6000) zu haben und 2 Drittel (12.000) Stehplätze.

Vor diesem Hintergrund hat sich das “Fanbündnis Bölle – Tradition hat Zukunft” gegründet.