Das Bölle

Ein zeitgemäßes Fußballstadion für die Lilien. Diese Idee schwebt schon seit vielen Jahren durch den südhessischen Kreativraum. Wechselnde Oberbürgermeister setzten und setzen sich dafür ein, es existierte bereits eine Faninitiative namens “neuesbolle.de” und der erfreuliche Aufstieg der Lilien heizt die Debatte um ein neues Stadion erneut an.

Vielerorts wurden in den letzten Jahren neue Stadien gebaut oder alte Stadien umgebaut. Überall in Deutschland sind sogenannte “Arenen” wie Pilze aus dem Boden geschossen, die unbestritten einen Komfort beim Besuch eines Fußballspiels ermöglichen, der weltweit seinesgleichen sucht. Jedoch klagen gleichzeitig vielerorts die alteingesessenen Fußballfans über zahlreiche Verschlechterungen, die sich für sie durch die neuen Bauten ergeben haben.

Oft wurde vergessen, dass das neue Stadion nicht nur den “Kunden” gerecht werden soll, die bei ihren Gelegenheitsbesuchen Wert auf all’ den Komfort und die Abwechslung legen, den sie aus Kino, Freizeitpark und co. bereits kennen. Wichtig sind auch die Fans, die schon vor den Umbauten treu zum Verein standen und die mit ihrer Stimmung und Choreographien einen Stadionbesuch auch für den “Kunden” erst so attraktiv machen.

Häufig haben betroffene Fanszenen die Entwicklung einfach verschlafen. Bevor sie ihre Bedürfnisse äußern konnten, war die Planung meist schon zu weit fortgeschritten, um wirklich noch Einfluss nehmen zu können. Heute hört man quer durch das Land das Wehklagen, dass sich die Bedingungen für eine lebendige Fankultur vielerorts verschlechtert haben, aus einstigen Hexenkesseln nun sterile Bauten geworden sind, die den einst beschworenen “Heimvorteil” – mittlerweile gar wissenschaftlich belegt1 – vermissen lassen.

Dem wollen wir in Darmstadt vorbeugen. Mit einem Konzeptpapier wollen wir unsere Wünsche, Vorstellungen und Gedanken rund um ein neues Stadion für die Lilien äußern und wir hoffen dabei nicht nur auf Gehör, sondern halten dies für unabdingbar, um irgendwann ein Stadion schaffen zu können, dass den Bedürfnissen ALLER Besucher gerecht werden kann.

Natürlich ist uns dabei bewusst, dass man niemals potentiell 20.000 Menschen 100%ig bei solch’ einem komplexen Thema unter einen Hut bekommen kann. Kompromisse sind nötig und wichtig, man muss über alles zumindest sprechen können. Nicht zuletzt ist für manche von uns selbst dieses Papier schon ein Kompromiss: Würden doch viele aus dem Herzen heraus gern ihr altehrwürdiges Stadion am Böllenfalltor so wie es heute existiert, auch für die nächsten 98 Jahre noch alle zwei Wochen zum Heimspiel besuchen.

Wie man den Wunsch dieses Herzens mit der Vernunft und der Zukunft unseres Stadions vereinbaren könnte, möchten wir vorstellen.

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll vielmehr unsere wichtigsten Standpunkte aufzeigen und damit möchten wir gerne in die Gespräche mit den zuständigen Entscheidungsträgern einsteigen.

Unsere Vorstellungen lassen sich in zwei Bereiche unterteilen. Zunächst geht es uns nur um – sozusagen – “weiche Faktoren” und damit Grundsätze, die beschreiben, welche Identität, welches Image aus unserer Sicht ein Stadion der Lilien vermitteln muss.

Im zweiten Teil gehen wir dann auf konkrete und messbare Faktoren ein, die für uns von enormer Wichtigkeit sind.